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Claude Lerognon

Claude Lerognon: „Ich hatte bisher mein Leben lang nicht getanzt“

Claude Lerognon (79 Jahre), lebt seit Anfang 2023 im Haus Kaysersberg im Wohnbereich 3. Er ist im Elsass in Frankreich aufgewachsen. Lange Zeit war er ein erfolgreicher Leistungssportler, 1977 sogar Europameister im Ringen. Danach gewann er einige Rennen als Radsportler. Er lebt seit etwa 60 Jahren in Deutschland, zunächst in Hamburg, dann viele Jahre im Bezirk Pankow und hat als Dokumentarfilmer und Fotograf gearbeitet. Bei einer „Friedensfahrt“ von Paris nach Berlin hat er mit einem Liegerad 1500 Kilometer im Alter von 70 Jahren zurückgelegt, worüber er auch in Berlin eine gewisse Bekanntheit erreichte. Seinen charmanten französischen Akzent hat er trotz der vielen Jahre in Deutschland nicht verloren, obwohl er die deutsche Mentalität und Sprache liebgewonnen hat: „Die Deutschen sind so präzise und man kann sich auf sie verlassen, das gefällt mir.“

Herr Lerognon, Sie hatten ja ein bewegtes Leben, sind viel rumgekommen. Wie kam es dazu?

„Ich hatte ein sehr schwieriges Verhältnis mit meinem Vater. Er war sehr streng und gewalttätig und hat als Franzose zu dieser Zeit Deutschland gehasst. Bei mir war das ganz anders. Ich liebe bis heute die deutsche Sprache mehr als die Französische. Ich habe mein Jura-Studium abgebrochen, um Leistungssportler im Ringen zu werden. Das hat ganz gut geklappt. Ich bin dadurch um die ganze Welt gereist und habe gutes Geld verdient.  Und ich bin nach Deutschland ausgewandert. Mit 40 habe ich dann erst mit dem Radsport begonnen.“

      Herr Lerognon als Ringer

Quelle: Bild

Und vor einiger Zeit sind Sie an Alzheimer erkrankt…

„Da begann erst der schwerste Kampf meines Lebens. Aber es ist nicht meine Art aufzugeben. Letztes Jahr habe ich mich einer neuen Therapie unterzogen und ließ mich in einer Klinik für Neurologie mit Schallwellen behandeln.* Seitdem kann ich wieder ganze Sätze sprechen. Vor der Therapie konnte ich fast gar nicht mehr reden, mich sogar an meine Kämpfe nicht mehr erinnern und hatte Blockaden. Das hat mich depressiv gemacht. Schon während der Behandlung merkte ich einen Unterschied, wurde klarer im Kopf. Ich bin stolz darauf, dass ich mich jetzt wieder an vieles erinnern und zum Beispiel Ihnen davon erzählen kann. Damals hat sogar eine große deutsche Zeitung darüber berichtet.“

Herr Lerognon im Liegerad

Quelle: 55plus, Apercu-Verlag

Sie leben jetzt im Haus Kaysersberg. Der Name hat für Sie eine besondere Bedeutung…

„Ja es ist magisch, ich habe ja tatsächlich eine Zeit lang in dem Ort Kaysersberg im Elsass gearbeitet. Als ich sah, dass es hier ein „Haus Kaysersberg“ gibt, war das für mich ein Zeichen und ich habe mich sofort angemeldet.“

Wie gefällt es Ihnen hier?

„Sehr gut. Es ist eine sehr spürbare Entlastung, seit ich hier bin, geht es mir viel besser. Mir wird alles abgenommen, ich bekomme vier Mahlzeiten am Tag serviert, was will man mehr.“

Sie fühlen sich also gut betreut?

„Absolut, die Mitarbeiter*innen sind sehr freundlich, es ist fast rührend, wie sie sich kümmern. Wenn ich mal auswärts unterwegs bin, dann halten sie mir zum Beispiel mein Essen warm.“

Haben Sie auch soziale Kontakte dazu gewonnen?

„Wir sitzen beim Essen zu neunt an einem Tisch, das gefällt mir sehr gut, dass ich mich unterhalten kann. Und ich habe mein Leben lang nicht getanzt, das mache ich jetzt auf den Veranstaltungen in der Stiftung. Aber ich bin auch gerne alleine und beschäftige mich mit philosophischen Themen.“

 

*Transkranielle Pulsstimulation wird bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz angewendet. Sie erzeugt Schallwellen, die acht bis zwölf Zentimeter tief ins Gehirn eindringen, erhöhen dort die Durchblutung. Zudem sorgen sie für das Wachstum der Gefäße, die das Gehirn regenerieren können. Sie muss nach einiger Zeit aufgefrischt werden.