
Ingrid Heppert: „Ich würde gerne nochmal eine Reise machen“
Ingrid Heppert (86) erinnert sich an vieles – auch wenn sie manchmal etwas Zeit braucht, um ihre Gedanken zu ordnen. Seit über zwei Jahren lebt sie in der Stiftung im Wohnbereich „Meeresblau“ für Menschen mit Demenz. Die studierte Innenarchitektin weiß, wie man dekoriert und fühlt sich wohl in ihrem individuell eingerichteten Zimmer. Sie spricht ruhig und bedacht, meist mit einem warmen Lächeln gewürzt.
Liebe Frau Heppert, wie haben Sie Ihre Kindheit in Malchow erlebt?
„Mein Vater kam erst aus der Gefangenschaft zurück, als ich sieben war. Ich war zunächst sehr schüchtern und kannte ihn nur von Fotos. Er blieb eher zurückhaltend mit seinen Gefühlen, auch durch seine Erlebnisse. Meine Mutter war Hausfrau. Ich hatte drei Geschwister, und wir mussten viel im Haushalt helfen. Im Garten haben wir Obst geerntet und Marmelade gekocht. Unsere Wohnung war klein, deshalb waren wir oft draußen.“
Wie war Ihre Ausbildung?
„Ich bin gern zur Schule gegangen, besonders Deutsch und Geschichte mochte ich. Nach dem Abitur habe ich erst Industriekauffrau gelernt und dann Innenarchitektur in Heiligendamm studiert. Das war eine schöne Zeit. Meine Mutter wollte, dass ich am Wochenende nach Hause komme, aber ich bin gern dort geblieben und habe Ausreden gesucht – auch, weil ich meinen späteren Mann dort kennengelernt habe.“
Wie ging es nach dem Studium weiter?
„Wir haben geheiratet und sind nach Berlin-Pankow gezogen. Dort wurde auch unser Sohn geboren. Ich habe als Innenarchitektin für die Stadt gearbeitet, vor allem im Gesundheitswesen. Krankenhäuser wie der Neubau der Charité, Praxen – das hat mir viel Freude gemacht. Es ging immer darum, wie man eine bauliche Voraussetzung mit einem späteren Nutzen verbinden kann. Ich habe immer gerne mit den Ärzten gesprochen. Die staunten dann nicht schlecht, was alles beachtet werden muss.“
Sie wohnen seit zwei Jahren in der Stiftung. Wie gefällt es Ihnen hier?
„Sehr gut. Die Lage mit dem vielen Grün gefällt mir, und ich mag mein Zimmer mit dem Blick auf einen Baum, der mich jeden Tag begleitet. Besonders schätze ich das Personal – alle sind freundlich und hilfsbereit. Auch das Essen ist gut. Ich koche nicht gern, da bin ich froh darüber. Ich mag die kleinen Gespräche am Morgen beim geweckt werden sehr. Und ich habe eine wunderschöne Puppe (siehe Foto) von den Betreuuer*innen zum 85. Geburtstag geschenkt bekommen. Darüber freue ich mich immer noch riesig.“
Wie verbringen Sie Ihren Alltag?
„Ich male und backe gern, aber am liebsten mache ich Handarbeit, das gibt mir Sicherheit. Musik höre ich auch gern, wenn bei uns jemand auftritt. Und ich unterhalte mich nach dem Essen mit anderen. Ich würde mir nur wünschen, dass es noch mehr Gespräche gibt, oft wird nur geschwiegen hier.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
„Ich würde gern noch einmal verreisen, am liebsten in einer Gruppe von hier.“
Wie würden Sie Ihr Lebensmotto beschreiben?
„Man sollte sich nicht verschließen. Im eigenen Saft schmoren, das führt doch zu nichts. Ich bin gerne unter Menschen.“
