Fachtagung: Alles inklusive?!

„Alles inklusive?! Wohin geht die Reise der UN-Behindertenrechtskonvention?“

Sind wir bereit für eine gemeinsame Reise?

„Ich will frei sein wie ein Vogel im Wind“

Wo Fachtagung drauf steht, ist manchmal auch Inklusion drinnen: ein Tagungsbericht.
Was passiert, wenn Fachleute mit und ohne geistige Behinderung zusammen an runden Tischen sitzen, um sich über einen gerade gehörten Fachvortrag auszutauschen?
Wie gehen bundesweit bekannte Referent/innen damit um, wenn dem 120-köpfigen Publikum erlaubt wird, mitten während des Vortrages Verständnisfragen zu stellen und um „Leichte Sprache“ zu bitten?
Ein Risiko, ohne Zweifel.
Die Fachtagung „Alles inklusive?! Wohin geht die Reise der UN-Behindertenrechtskonvention?“ hatte es am 16. Februar in Berlin mit einer neuen Veranstaltungskonzeption darauf angelegt, den Inklusions-Ansprüchen Taten folgen zu lassen: statt abgesonderte Workshops in Fachsprache und Leichter Sprache sollten an diesem Tag alle in einem Raum eine gemeinsame Erfahrung machen – die Erfahrung, tatsächlich miteinander über die brennenden Themen der UN-Konvention zu sprechen.
Und gemeinsame Themen gab es ohne Frage genug:

  1. Reinald Purmann (dpw): Was passiert gerade mit der Umsetzung der UN-Konvention in Berlin?"
  2. Klaus Lachwitz (Präsident Inclusion International): Was passiert mit der Umsetzung der UN-Konvention in der Welt?
  3. Dr. Monika Seifert (Deutsche Heilpädagogische Gesellschaft): Unabhängige Lebensführung
  4. Klaus Candussi (atempo, Graz): Alles Arbeit - Arbeit für alle?
  5. Wolfgang Urban (fib e. V.): Ambulant und selbstbestimmt für alle Menschen mit Behinderung?
  6. Dr. Heidrun Metzler (Universität Tübingen): Wie werden alle Menschen bei der Begutachtung bzw. Hilfeplanung einbezogen?


Das Konzept der Veranstalter, der Albert Schweitzer Stiftung – Wohnen & Betreuen, hatte den kompromisslosen Ansatz, dass alle soweit wie möglich alles verstehen sollten.
Dafür wurde der Tagungsmappe eine Signalkarte mit einem roten „Ampelmännchen“ beigefügt, mit deren Hilfe sich jede Teilnehmer/in zu Wort melden konnte, um bei schwierigen Wörtern nachfragen zu können.
Nach jedem der sechs Vorträge folgte an den Tischen eine Diskussion über die Inhalte des gerade Gehörten, die von Moderator/innen geleitet wurde. Begleitet wurde dieses Wechselspiel zwischen Vortrag und Diskussion von einem Moderator/in, der von NUEVA-Auszubildenden bei jedem Vortrag begleitet wurde, um bei Verständnisfragen genauso wie die Teilnehmer/innen eingreifen zu können.

NUEVA (NUtzer EVAluieren) ist ein von der diesjährigen Messe ConSozial ausgezeichnetes Projekt, bei der die Auszubildenden als Selbstvertreter/innen lernen, die Qualität von sozialen Dienstleistungen zu überprüfen.

Am Ende des Tages war es sowohl für das Publikum als auch für die Referent/innen besonders berührend, dass die theoretischen Vorträge bei vielen Teilnehmer/innen mit Behinderungserfahrungen sehr persönliche Erfahrungen und Sehnsüchte zum Vorschein brachten.
So wurden nicht nur von schmerzhaften Erinnerungen der Ausgrenzungen berichtet, sondern auch kraftvolle Bilder eines selbstbestimmten Lebens formuliert:
„Ich will frei sein wie ein Vogel im Wind“ war die Vision einer Teilnehmerin, die sich wie ein Echo auf die Frage der Veranstaltung anhörte:
„Wohin geht die Reise der UN-Behindertenrechtskonvention?“

Hier finden Sie den Texte in leicht verständlicher Sprache.
HALT - Bitte leichte Sprache! [PDF, 3,6 MB]

Eindrücke der Fachtagung